Arbeitssicherheit
Mann arbeitet an Maschine© Westend61 / Christian Vorhofer

Manipulation von Schutzeinrichtungen

Immer wieder werden Arbeitsunfälle an Maschinen durch das Manipulieren von Schutzeinrichtungen verursacht. Um Unfällen vorzubeugen und die Sicherheit zu erhöhen sollten Gegenmaßnahmen ergriffen werden. Diese setzen bei der Konstruktion einer Maschine an und ziehen sich bis in den Betrieb.

Unfall aufgrund entfernter Sicherheitsvorrichtung

Der Vorgang löste sowohl Betroffenheit als auch Aufmerksamkeit aus: Ein 19-jähriger Auszubildender war im Jahr 2010 von einer Glasschleifmaschine erfasst und zu Tode gequetscht worden. An der Maschine war zuvor eine vom Hersteller eingebaute Sicherheitsvorkehrung entfernt worden. Eigentlich sollte eine Lichtschranke die Maschine automatisch abschalten, sobald jemand den Gefahrenbereich betritt. Ein Geschäftsführer hatte das Deaktivieren der Lichtschranke angeordnet, um Kosten zu sparen.

Manipulierte Schutzeinrichtungen: Dunkelziffer zu vermuten

Das genannte Beispiel verdeutlicht ein Problem, über dessen Verbreitung es keine exakten Zahlen, wohl aber Schätzungen gibt. Im Jahr 2006 wurden Arbeitsschutzexperten im Rahmen einer Studie der damaligen Metallberufsgenossenschaften befragt. Ergebnis: Wohl jeder vierte Arbeitsunfall an einer Maschine war auf eine manipulierte Schutzeinrichtung zurückzuführen. Belastbare Daten zu erheben, ist schwierig. Hierzu erklärt Stefan Otto, Experte für Maschinensicherheit am Institut für Arbeitsschutz der Deutschen Gesetzlichen Unfallversicherung (IFA): „Wir müssen davon ausgehen, dass vor Untersuchung eines Arbeitsunfalls die Manipulation an einer Maschine wieder rückgängig gemacht wird oder die Manipulation gar nicht erkannt wird.“

Trennende oder nicht trennende Schutzeinrichtungen

Maschinen sind immer dann mit Schutzeinrichtungen auszustatten, wenn von ihnen Gefahren ausgehen, die durch ihre Konstruktion nicht ausreichend minimiert oder beseitigt werden können. Dabei lässt sich grob zwischen trennenden und nicht trennenden Schutzeinrichtungen unterscheiden. Trennende Einrichtungen verhindern, dass Personen Zugriff oder Zutritt zum Gefahrenbereich haben. Hierzu zählen Schutzhauben, wie man sie von der Brotschneidemaschine im Supermarkt – aber auch von Industriemaschinen – her kennt. Nicht trennende Einrichtungen schützen Personen vor den gefährlichen Maschinenbewegungen, zum Beispiel durch das Stillsetzen der Maschine bei Unterbrechung der Strahlen einer Lichtschranke.

Manipulationsanreize unterbinden 

Obwohl Schutzeinrichtungen die Sicherheit erhöhen, werden sie oft manipuliert. Aber warum? „Schutzeinrichtungen an Maschinen werden häufig dann außer Kraft gesetzt, wenn sie im Arbeitsablauf als störend empfunden werden“, berichtet Stefan Otto. Das ist zum Beispiel der Fall, wenn der Arbeitsraum durch ein zu kleines Sichtfenster schlecht einsehbar ist, wenn der erforderliche Arbeitstakt nicht erreicht wird oder bestimmte Tätigkeiten überhaupt nicht möglich sind – beispielsweise das Einrichten der Maschine. Stefan Otto erklärt: „Wenn solche Defizite vorliegen, sprechen wir von einem Manipulationsanreiz.“

Sicherheitsmaßnahmen an Maschinen

Maßnahmen zur Verhinderung von Manipulationen müssen an allen Stellen im Lebenszyklus einer Maschine ansetzen. Dies beginnt bei der Konstruktion und dem Kauf einer Maschine: „Wenn die Verantwortlichen im Unternehmen bereits bei der Beschaffung die Sicherheitsaspekte für das spätere Einrichten, das Betreiben und die Wartung berücksichtigen, lässt sich die Wahrscheinlichkeit von Manipulationen reduzieren“, sagt Otto.

Auch Sicherheitsbeauftragte spielen eine Rolle. Sie können für das Thema sensibilisieren – sowohl ihre Kolleginnen und Kollegen als auch Vorgesetzte. Es gilt einmal mehr der Grundsatz „Mit offenen Augen durch den Betrieb“. Wer Auffälligkeiten feststellt, sollte nicht zögern, diese offen anzusprechen.

Manipulationsanreize per App bewerten

Hersteller dürfen nur Maschinen in Verkehr bringen, die bei bestimmungsgemäßer und vorhersehbarer Verwendung sicher sind. Betriebe dürfen ihren Beschäftigten nur sichere Maschinen zur Verfügung stellen. Die Frage, welchen Manipulationsanreiz die Schutzeinrichtung einer Maschine bietet, ist daher sowohl für Hersteller als auch für Betreiber von besonderer Relevanz. Um die Anreize für das Umgehen von Schutzeinrichtungen zu bewerten, hat das Institut für Arbeitsschutz der Deutschen Gesetzlichen Unfallversicherung (IFA) ein Verfahren entwickelt, das bereits Eingang in die Normung gefunden hat (EN ISO 14119). Dieses Verfahren ist nun als App für die Nutzung auf Smartphones und Tablets unter Android und iOS verfügbar.

Die Bewertung sollte durch Personen vorgenommen werden, die mit der Bedienung der Maschine vertraut sind. Sie kann jederzeit, zum Beispiel während der Maschinenkonstruktion, vor Auslieferung oder im Betrieb, stattfinden. Wurde für eine Schutzeinrichtung ein Anreiz zur Manipulation ermittelt, so sind Maßnahmen notwendig, um diesen Anreiz zu mindern. Informationen hierzu liefert das deutschsprachige Portal „Stop Defeating“.

QR-Code zum kostenlosen Download der App: www.dguv.de

Informationen gegen Manipulation: www.stop-defeating.org