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Helm im Straßenverkehr tragen und Kopf schützen
Helme können auch bei E-Scootern das Risiko schlimmer Verletzungen am Kopf senken. © DEKRA

Verkehrssicherheit : Helm im Straßenverkehr tragen und Kopf schützen

Bei Unfällen mit Fahrrädern, Pedelecs, E-Scootern und E-Rollern ist häufig der Schädel betroffen. Ein geeigneter Helm kann das Verletzungsrisiko deutlich senken.

Die Statistik der Deutschen Gesetzlichen Unfallversicherung (DGUV) zeigt es schwarz auf weiß: Zwischen 2020 und 2024 machten Kopfverletzungen rund neun Prozent der meldepflichtigen Arbeits- und Wegeunfälle mit Zweirädern aus. Bei Pedelecs lag der Anteil mit 11,3 Prozent sogar noch höher. In mehr als der Hälfte der Fälle mit tödlichem Ausgang spielte eine Kopfverletzung eine Rolle.

„Mit einem Pedelec ist man schneller unterwegs als mit einem mechanischen Fahrrad. Das verändert die Unfallmechanik – und im Ernstfall auch die Schwere der Verletzungen“, sagt Olivera Gerigk, Expertin für sichere Radfahrmobilität beim Deutschen Verkehrssicherheitsrat (DVR). Viele unterschätzten die Unterschiede zum klassischen Fahrrad. „Wer aufs Pedelec umsteigt, sollte sich mit dem Fahrverhalten vertraut machen, idealerweise in einem Training.“

So seien Anfahrverhalten, Bremsweg und Kurvenstabilität anders als gewohnt. Das gilt insbesondere beim S-Pedelec, das Geschwindigkeiten bis zu 45 Kilometer pro Stunde erreichen kann und rechtlich als Kleinkraftrad gilt.

Helm im Straßenverkehr tragen: Gebot, nicht Pflicht

Für E-Scooter und Fahrräder besteht keine gesetzliche Helmpflicht. Fachleute empfehlen das Tragen eines Helms dennoch dringend, da Kopfverletzungen bei Stürzen besonders häufig sind. Anders ist die Rechtslage beim S-Pedelec und bei Motorrädern: Hier ist ein Helm vorgeschrieben.

Zu den besonders häufig vorkommenden Kopfverletzungen zählen Schädel-Hirn-Traumata, Gehirnerschütterungen, Hirnprellungen oder -quetschungen sowie Gesichtsverletzungen. „Gerade Schädel-Hirn-Traumata können akut lebensgefährlich sein“, so Gerigk. Doch selbst wenn Betroffene überleben, bleiben nicht selten langfristige Folgen.

Dazu gehören Gedächtnis- oder Konzentrationsstörungen, verminderte Belastbarkeit oder kognitive Einschränkungen. Für Unternehmen und Einrichtungen kann das lange Ausfallzeiten, Rehabilitationsmaßnahmen und Produktionsausfälle bedeuten.

Helme schützen den Kopf

Fahrradhelme können schlimme Verletzungen verhindern. Sie sind so konstruiert, dass sie beim Aufprall Energie aufnehmen und verteilen. „Ein Helm schützt den gesamten Kopfbereich – von vorne über die Seiten bis zum Hinterkopf“, erklärt Gerigk. Ziel ist es, die auf das Gehirn wirkenden Kräfte möglichst stark zu reduzieren. Für eine optimale Schutzwirkung im Ernstfall ist neben Passform und Sitz auch der Zustand des Helms entscheidend.

„Vielen ist nicht bewusst, dass Helme ein Haltbarkeitsdatum haben. Das Material altert, der Schaumstoff kann porös werden“, so Gerigk. Auch starke UV-Einstrahlung oder hohe Temperaturen können die Schutzwirkung beeinträchtigen. Was viele außerdem nicht wissen: Nach einem harten Aufprall sollte ein Helm ersetzt werden, selbst wenn kein Schaden sichtbar ist.

Tipps für den Helmkauf

  • Normenkennzeichnung beachten: Fahrrad & E-Scooter, Pedelec bis 25 km/h: DIN EN 1078, S-Pedelec bis 45 km/h/Kleinkraftrad: ECE-Regelung Nr. 22 (z.B. ECE 22.06)
  • individuelle Passform und richtige Größe wählen
  • Einstellung von Riemen und Sitz im Fachgeschäft anpassen lassen
  • reflektierende Elemente oder integrierte Beleuchtung erhöhen die Sichtbarkeit
  • Helm besser neu kaufen; gebrauchte Helme können Vorschäden haben

Sicherheitsbeauftragte können Impulse setzen

Sicherheitsbeauftragte (Sibe) sind wichtige Multiplikatorinnen und Multiplikatoren, wenn es um sichere Mobilität geht. Sie können etwa niedrigschwellige Angebote vorschlagen, um das Thema Helm im Straßenverkehr zu tragen sichtbar zu machen. Dazu gehören Aushänge, Beiträge im Intranet, kurze Unterweisungen oder praktische Helmchecks.

Der DVR stellt dazu Informationsmaterial wie Flyer und Präsentationen auf seiner Webseite zur Verfügung. Ziel ist es, ein Bewusstsein für das Risiko von Kopfverletzungen zu schaffen, gerade bei Beschäftigten, die regelmäßig Arbeits- oder Dienstwege mit Fahrrädern, E-Scootern oder Pedelecs zurücklegen. Zudem können Sibe Aktionstage anregen, bei denen Fahrräder und Helme gecheckt werden.

Der DVR bietet zudem Trainings an, die Theorie und Fahrpraxis in einem Sicherheitsparcours verbinden. Je nach Unfallversicherungsträger sind Zuschüsse über Berufsgenossenschaften oder Unfallkassen möglich. Diese Präventionsangebote stärken die betriebliche Arbeitssicherheit und das Sicherheitsimage von Unternehmen und Einrichtungen.

„Ein Helm schützt vor vielem, aber er macht niemanden unverwundbar“, fasst Gerigk zusammen. Sichere Mobilität sei immer eine Kombination aus geeigneter Ausrüstung, guter Sichtbarkeit, angepasster Fahrweise und vor allen Dingen gegenseitiger Rücksichtnahme.