Arbeitssicherheit : Interview: „Sibe können sich jederzeit auf das Konzept beziehen“
Für Ihr Sibe-Konzept ist Ihr Unternehmen mit dem BGHM-Sicherheitspreis ausgezeichnet worden. Was war die Idee hinter dem Konzept?
Thomas Assmann: Ich war früher selbst Sicherheitsbeauftragter. Uns fiel auf, dass immer wieder die gleichen Fragen aufkommen, die das Ehrenamt betreffen: Wie viel Zeit habe ich dafür, welche Aufgaben und Rechte habe ich und so weiter. Schließlich haben meine Kollegen und ich uns zusammengetan und gesagt: Lasst uns das Ganze doch mal so aufschreiben, dass es für alle nachvollziehbar ist. Wir haben sozusagen ein Konzept für Sicherheitsbeauftragte verfasst. Das haben wir vom Betriebsrat dann in die ASA-Sitzung mitgenommen. Als wir den Zweck dahinter erläutert haben, hat die Geschäftsführung sofort unterschrieben.
Steffen Stech: Im Kern ging es uns darum, die Rahmenbedingungen des Ehrenamtes strukturiert darzulegen. Über das Regelwerk hinaus, also wirklich konkret zu den Prozessen, die bei STILL wichtig sind.
Welche Vorteile ergeben sich daraus für den Alltag von Sibe, aber auch für andere Beschäftigte?
Assmann: Alle Sicherheitsbeauftragten bekommen das Konzept an die Hand und wissen zum Beispiel genau, dass ihnen zwei Stunden pro Woche für ihre Arbeit als Sibe zustehen. Dagegen kann kein Meister und keine Vorgesetzte etwas sagen und Sibe können sich jederzeit auf das Konzept beziehen.
Stech: Auf den 17 Seiten sind auch alle relevanten Schulungen aufgelistet. Und wir haben geschaut, wo wir motivieren müssen. Schließlich gibt es für das Sibe-Amt keine monetären Leistungen. Deswegen gehört zum Konzept auch eine jährliche Dankeschön-Veranstaltung für alle Sibe – eine Kombination aus Fortbildung und gemütlichem Beisammensein. Das fördert auch das Gemeinschaftsgefühl, weil man sich einfach besser kennenlernt. Diese Veranstaltungen waren in den letzten Jahren echte Highlights.
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Auch beim Thema Höhenarbeit agiert das Intralogistikunternehmen STILL in Hamburg vorbildlich. Wir haben das Team für unser Titelthema beim Höhentraining begleitet.
Wie wählen Sie neue Sicherheitsbeauftragte aus? Folgt auch dieser Prozess einem klaren Konzept?
Assmann: Ja. Potenzielle Kandidatinnen oder Kandidaten werden dem Betriebsrat gemeldet. Es folgt ein gemeinsamer Termin mit der Fachkraft für Arbeitssicherheit und den direkten Vorgesetzten. Wir wollen die Person kennenlernen, ihr erklären, worauf es beim Sibe-Amt ankommt, und prüfen, ob sie geeignet ist. Falls jemandem die richtige Ansprache gegenüber dem Team schwerfällt, können wir zum Beispiel mit einer Qualifikation für Kommunikation unterstützen. Wichtig ist: Wir reden miteinander, nicht übereinander.
Stech: Dieses Miteinander, dieser Austausch, das ist schon etwas sehr Spezielles bei uns.
Gibt es denn immer ausreichend Interessierte?
Assmann: Wir haben keine Probleme, neue Sibe zu finden. Dadurch, dass die Rolle bei uns so klar definiert ist, wird das Amt weniger als Belastung empfunden. Wir erklären auch den Beschäftigten, die eine Führungsposition anstreben, dass das Sibe-Amt eine gute Möglichkeit ist, sich zu vernetzen und weiterzuentwickeln.
Stech: Das ist ein schönes Beispiel. Mir fallen allein vier Teamleiterinnen und Teamleiter ein, die vor ihrer Führungsposition Sicherheitsbeauftragte waren. Der Arbeitsschutz kann ein guter Einstieg in die Führungsverantwortung sein.