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Gute Argumente für Sibe
Im Blick zu haben, ob persönliche Schutzausrüstung ordnungsgemäß genutzt wird, gehört zu den Aufgaben von Sicherheitsbeauftragten. © Getty Images/agarte

Arbeitssicherheit : Gute Argumente für Sibe

Die Regierung will die Zahl der Sicherheitsbeauftragten reduzieren. Was bedeutet das für den Arbeitsschutz? Wir fragen nach bei Gerhard Kuntzemann.

Herr Kuntzemann, Sie leiten bei der DGUV das Sachgebiet Sicherheitsbeauftragte. Welche Aufgaben haben Sicherheitsbeauftragte?

Das Bild der Sicherheitsbeauftragten ist dadurch geprägt, dass sie aus dem Kollegenkreis stammen, vor Ort auf sicheres Handeln hinwirken und helfen, Unfälle zu vermeiden. Dabei haben sie aufgrund ihrer Orts-, Fach- und Sachkenntnis die Aufgabe, in ihrem Arbeitsbereich auf erkannte Unfall- und Gesundheitsgefahren aufmerksam zu machen. Dazu gehört auch zu beobachten, ob beispielsweise die vorgeschriebenen Schutzvorrichtungen und -ausrüstungen vorhanden sind und auch ordnungsgemäß benutzt werden.

Gerhard Kuntzemann ist Leiter des Sachgebiets Sicherheitsbeauftragte der DGUV. © raufeld

Inwiefern profitieren Betriebe und Einrichtungen konkret von Sicherheitsbeauftragten?

Sicherheitsbeauftragte stehen den anderen Beschäftigten, aber auch der Unternehmensleitung für Fragen zum Arbeitsschutz während ihrer Arbeitszeit ständig zur Verfügung. Besonders in Kleinbetrieben mit bis 50 Beschäftigte sind sie oft die einzigen Personen, die eine Qualifizierung im Arbeitsschutz besitzen.

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Dann sollten Sicherheitsbeauftragte ihre Kolleginnen und Kollegen ansprechen.

Sind sie eine Art Arbeitsschutzaufsicht im Betrieb?

Arbeitsschutz ist Führungskräfteaufgabe. Die Verantwortung dafür liegt klar bei der Unternehmensleitung bzw. den Führungskräften. Sicherheitsbeauftragte haben keine Weisungsbefugnis und tragen nicht mehr Verantwortung für den Arbeitsschutz als andere Beschäftigte. Sie sind ohne hierfür festgeschriebenen Zeitaufwand auf ihrer jeweiligen Arbeitsebene unterstützend tätig und treten in ihrem Arbeitsbereich als Multiplikatorinnen oder Multiplikatoren auf. Ihre Präsenz, ihre Vorbildfunktion sowie ihr kollegiales Einwirken wirken auf ein sicherheits- und gesundheitsgerechtes Verhalten der Versicherten.

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Aushang zu den Aufgaben von Sibe.

Weshalb gibt es in Betrieben Sicherheitsbeauftragte, es gibt doch Fachkräfte für Arbeitssicherheit?

Sicherheitsbeauftragte engagieren sich ehrenamtlich, also neben ihrer eigentlichen Arbeit für sicheres und gesundes Arbeiten in ihrem Betrieb. Sie sind mit ihren Kolleginnen und Kollegen kollegial verbunden und im Regelfall vor Ort, wenn andere Beschäftigte Fragen zum Arbeitsschutz haben. Auch reagieren sie beispielsweise auf gefährliche Situationen wie Beinaheunfälle, die sie während ihrer eigentlichen Tätigkeit nebenbei mitbekommen.

Fachkräfte für Arbeitssicherheit arbeiten hingegen hauptamtlich auf diesem Gebiet. Sie verfügen daher über eine fundierte Arbeitsschutzexpertise und beraten Unternehmen für eine bestimmte Anzahl Stunden im Jahr bei allen Fragen den Arbeitsschutz betreffend. Kleinere Unternehmen beschäftigen meist externe Fachkräfte für Arbeitssicherheit. Anders als Sicherheitsbeauftragte sind diese teilweise nur sporadisch in den Betrieben.

Die Sicherheitsbeauftragten sind in ihrer Funktion ausschließlich unterstützend tätig. Sie können weder die beratende Funktion einer Fachkraft für Arbeitssicherheit noch einer Betriebsärztin oder eines Betriebsarztes ersetzen, sollten aber eng mit ihnen zusammenwirken. So sind sie auch ein Brückenkopf für alle externen Arbeitsschutzakteurinnen und -akteure, die nur sporadisch in den Betrieben sind und können etwa auf Probleme aus dem Arbeitsalltag hinweisen.

Wieviel Zeit verwenden die Beauftragten auf ihr Amt?

Den Aufwand im Betrieb kann man nicht pauschal quantifizieren. Der große Vorteil dieser Beauftragten liegt ja darin, dass sie zu den üblichen Arbeitszeiten im Betrieb anwesend sind und im Bedarfsfall sofort reagieren können, ansonsten aber ganz normal ihrer eigentlichen Tätigkeit nachgehen. Beispielsweise, wenn sich ein Kollege nicht sicherheitskonform verhält. Meist dauert das sich anschließende Gespräch mit dem Kollegen wenige Minuten. Wenn Sicherheitsbeauftragte Mängel feststellen, folgt darauf ein Gespräch mit den Vorgesetzten oder eine kurze Meldung per Mail.

Weiterhin nehmen sie im Regelfall an einer ein- bis dreitägigen Grundqualifizierung teil, viele besuchen anschließend alle drei bis fünf Jahre eine Fortbildung. Sicherheitsbeauftragte bekommen in der Qualifizierung Arbeitsschutzwissen vermittelt. Darüber hinaus werden ihre Kompetenzen etwa hinsichtlich Gesprächsführung gezielt gestärkt.

Was kosten Sicherheitsbeauftragte für den Betrieb?

Da ist zum einen die eben erwähnte Qualifizierung zu nennen. Die Kosten für die Ausbildung übernimmt der jeweilige Unfallversicherungsträger. Im Grunde werden sie aber von den Unternehmen über den Beitrag finanziert. Zum anderen ist die Ausfallzeit der Sicherheitsbeauftragten für die Zeit der Qualifizierung zu berücksichtigen.

Unterstützen Sicherheitsbeauftragte die Führungskräfte etwa bei der Vorbereitung oder Durchführung von Unterweisungen und üben sie in dieser Zeit ihren eigentlichen Job nicht aus – was durchaus oft vorkommt –, so kann dieser Ausfall nicht als Kosten berechnet werden, weil diese Aufgaben sonst von den Führungskräften selbst erledigt werden müssten.

Auf der anderen Seite muss man aber auch die Ersparnis durch das Wirken von Sicherheitsbeauftragten sehen. Betriebe haben einen ROI, einen Return on Investment, weil Sicherheitsbeauftragte im Betriebsalltag eine Kultur der Prävention auf die Agenda setzen, diese leben und Kolleginnen und Kollegen dafür sensibilisieren. Auf der Habenseite sind daher weniger Unfälle, weniger berufsbedingte Erkrankungen und damit weniger Ausfälle und Kosten zu verbuchen. Belastbare Zahlen gibt es hierzu leider nicht.

Warum entscheiden sich Beschäftigte, sich als Sicherheitsbeauftragte zu engagieren?

Meist wird man gefragt, ob man das Ehrenamt übernehmen möchte, eher selten geht die Initiative von den Kandidatinnen oder Kandidaten aus. Oft werden dafür solche Beschäftigte angesprochen, die durch ihr persönliches Engagement am Arbeitsplatz und im Arbeitsschutz aufgefallen sind.

Notwendige Voraussetzung ist das Interesse an den Aufgaben der Sicherheitsbeauftragten. Wichtig ist aber auch, dass die Mitarbeiterin oder der Mitarbeiter im Kreis der Kolleginnen und Kollegen fachlich und persönlich anerkannt ist und zu überzeugen vermag. Soziale Kompetenz ist dafür unbedingt erforderlich.

Kontaktfreude und Freude am Umgang mit Menschen sind weitere positive Merkmale. Neben der sozialen Kompetenz ist eine gute Beobachtungsgabe eine wesentliche Voraussetzung. Sicherheitsbeauftragte müssen die Fähigkeit haben, unsichere Verhaltensweisen und Arbeitsabläufe zu erkennen und ihre Auswirkungen auf Sicherheit und Gesundheit bei der Arbeit zu beurteilen.

Ich bin Sibe!

Sibe im Interview