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Unfallursachen erkennen, Arbeitsunfälle vermeiden
Stürze von der Leiter sind nicht selten im Elektrohandwerk. © Getty Images / Sturti
Arbeitswelt

Unfallursachen erkennen, Arbeitsunfälle vermeiden

Kurz nicht aufgepasst, schon ist man gestolpert oder gestürzt: Unachtsamkeit und Unordnung gehören zu den häufigsten Ursachen für Arbeitsunfälle.

Datum: 21.04.2021

Die Leiter im falschen Winkel aufgestellt oder ein kleines Stück zu weit herübergebeugt, um das Kabel noch zu erwischen – das sind typische Situationen, in denen es im Elektrohandwerk zu Absturzunfällen kommt.

Solche Stürze können glimpflich verlaufen – aber leider auch tragisch, wie ein Fall aus dem vergangenen Jahr zeigt: Auf einem Scheunenboden trat ein Elektriker einen Schritt zurück und sah dabei nicht, dass er nur noch auf einer aus dünnem Rigips bestehenden Fläche stand. Der Mann brach durch die Platte, fiel fünf Meter in die Tiefe und überlebte den Sturz nicht.

Mehr als 169.000 Arbeitsunfälle im Jahr 2019

Wenn Beschäftigte stürzen, rutschen oder stolpern, handelt es sich um die sogenannten SRS-Unfälle. Diese sind statistisch gesehen die häufigsten Ursachen für Verletzungen am Arbeitsplatz.

Laut DGUV wurden allein im Jahr 2019 mehr als 169 000 solcher Unfälle gezählt. „Im Elektro­handwerk kommt es vor allem zu Stürzen“, erklärt Hartmut Oelmann, Leiter des Branchengebiets Elektro­handwerk in der Präventionsabteilung der Berufsgenossenschaft Energie Textil Elektro Medienerzeugnisse (BG ETEM).

Manchmal würden solche Sturzunfälle durch leichte Stromschläge verursacht, die auch erfahrene Beschäftigte erleiden können, wenn Sicherheitsregeln nicht eingehalten wurden. „Dann fällt die Person vor Schreck von der Leiter und kommt dabei viel schlimmer zu Schaden, als es nur durch den Stromschlag der Fall gewesen wäre.“

„Weil beim Gehen sehr viele Muskeln auf beansprucht werden, kann es hierbei zu schweren Verletzungen kommen.“ – Hartmut Oelmann, Präventionsabteilung Elektrohandwerk (BG ETEM)

Gefahrenquellen: herumliegendes Material oder Bauteile

Ein weiterer Unfallschwerpunkt, der im Elektrohandwerk ebenso wie in anderen Branchen eine Rolle spielt, ist das Stolpern über Material oder Bauteile, die bei Installationsarbeiten in Gebäuden fast immer irgendwo herumliegen.

Nicht selten würden Beschäftigte zudem auf glatten Flächen ausrutschen – zum Beispiel, wenn Maschinen repariert werden und dabei Öl ausgetreten ist. Kommt in diesem Szenario Unachtsamkeit hinzu, etwa weil kurz auf das Handy statt den Boden geschaut wird, landet man schnell auf der Nase.

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Arbeitsschuhe mit gutem Profil erhöhen die Rutschsicherheit. © Getty Images / Sturti

Oberstes Gebot: Sauberkeit und Ordnung am Arbeitsplatz

Achtsam zu gehen sei daher eine der wichtigsten Empfehlungen, die er Beschäftigten mitgeben könne, sagt der Experte. „Weil beim Gehen sehr viele Muskeln auf einmal beansprucht werden, kann es hierbei leicht zu schweren Verletzungen kommen.“

Wer daneben seine Aufmerksamkeit noch auf andere Dinge lenke, übersehe leicht eine Stolperstelle oder die kleine Pfütze vor seinen Füßen.

Gut zu wissen: Zahlen zu SRS-Unfällen

  • 1.000 Menschen stürzen hierzulande im Durchschnitt jeden Tag bei der Arbeit und verletzen sich.
  • 45 Prozent aller Sturzunfälle ereignen sich beim Gehen auf ebenen Flächen. Oft ist der Boden rutschig.
  • 1/3 aller Unfallrenten wegen Minderung der Erwerbsfähigkeit sind Folge von SRS-Unfällen.

Festes Schuhwerk als Sicherheitsmaßnahme

Sicherheitsbeauftragten empfiehlt der Experte darüber hinaus, am Arbeitsplatz auf die größtmögliche Sauberkeit und Ordnung zu achten. „Verkehrswege müssen frei gehalten werden, Rutschgefahren gehören sofort beseitigt.“ Zudem könnten Sicherheitsbeauftragte im Blick behalten, dass Leitern richtig aufgestellt werden und dass alle Beschäftigte in ihren Arbeitsschuhen unterwegs sei. Diese sollten bei Elektrikerinnen und Elektrikern, die auf Baustellen arbeiten, ein gutes Profil aufweisen. Dann böten sie noch Rutschsicherheit, wenn der Boden matschig und uneben sei.

Inzwischen gebe es zahlreiche Modelle, die optisch kaum noch von Freizeitschuhen zu unterscheiden seien, so der Experte. Über die korrekte Benutzung von Fuß- und Knieschutz informiert übrigens die DGUV-Regel 112-991.

Geschrieben von: Julia Frese