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Den passenden Schutzhelm finden
In der Fertigung, auf Baustellen oder im Bergwerk – viele Beschäftigte schützen sich bei der Arbeit mit einem Schutzhelm vor schweren Verletzungen. © raufeld

Recht : Den passenden Schutzhelm finden

Die überarbeitete DGUV Regel 112-193 hilft Betrieben, den richtigen Kopfschutz auszuwählen und erklärt Arten von Schutzhelmen.

Bei vielen Tätigkeiten ist der Kopf von Beschäftigten gefährdet: sei es durch herabfallende Gegenstände, das Anstoßen an Kanten, Wänden oder Gegenstände oder durch die Folgen eines Sturzes oder gar Absturzes. Je nach Einsatzzweck eignen sich verschiedene Schutzhelme. Hilfestellung bei der Auswahl geeigneter Modelle bietet die überarbeitete und erweiterte DGUV Regel 112- 193 Benutzung von Kopfschutz.

Christian Wagner, Leiter des Sachgebiets Kopfschutz der DGUV © raufeld

Um welche Arten von Kopfschutz geht es in der DGUV Regel?

Bislang bezog sich die DGUV Regel auf Industriehelme, wie sie zum Beispiel auf Baustellen getragen werden, und Industrie-Anstoßkappen. Die Neufassung bezieht auch Bergsteigerhelme, Fahrradhelme und elektrisch isolierende Helme für Arbeiten an Nieder- und Mittelspannungsanlagen ein . Aber auch Hochleistungs-Industrieschutzhelme wurden aufgenommen. Dabei handelt es sich um Industrieschutzhelme, die höhere Anforderungen erfüllen und dadurch beispielsweise auch vor aus größeren Höhen herabfallenden Gegenständen schützen und Schutz beim Zusammenstoß mit pendelnden Lasten bieten.

Welcher Schutzhelm vor welchen Gefährdungen schützt

Industrieschutzhelm

  • schützen vor herabfallenden, kippenden und wegfliegenden Gegenständen
  • verhindern schwere Verletzungen durch Anstoßen an Gegenstände
  • bieten Schutz beim Zusammenprall mit pendelnden Lasten (je nach Ausfertigung)

Fahrradhelme

  •  sollen den Kopf vor Verletzungen durch einen Aufprall bewahren
  • benötigen eine gute Trageeinrichtung samt Kinnriemen, damit der Helm am Kopf bleibt
  • haben für alle Typen gleiche Normvorgaben, auch zum Beispiel für Rennrad-Helme, Urban-Helme oder Mountainbike-Helme

Bergsteigerhelme

  • schützen vor herabfallenden Gegenständen
  • verhindern schwere Verletzungen durch Anstoßen an Gegenstände
  • schirmen den Kopf im Falle eines Absturzes oder Pendelsturzes ab; dazu muss der Helm am Kopf bleiben. Ein Kinnriemen mit hoher Abreißfestigkeit ist daher obligatorisch

Industrie-Anstosskappen

  • schützen beim Anstoßen gegen feststehende Objekte, aber nicht vor herabfallenden Gegenständen (können Helme daher nicht ersetzen)
  • benötigen eine Vorrichtung, die den Halt am Kopf sicherstellt (zum Beispiel ein Nackenband oder Kinnriemen)

Wie finden Betriebe für ihre Beschäftigten den passenden Kopfschutz?

Zentral ist die Gefährdungsbeurteilung (GBU). Der ausgewählte Kopfschutz muss vor den darin genannten Gefährdungen schützen, zum Beispiel vor mechanischen Gefährdungen. Besteht das Risiko, von herabfallenden Gegenständen getroffen zu werden, sollte klar sein, welche Gegenstände das sein können und aus welcher Höhe sie kommen könnten. Ob dann ein Industrieschutzhelm ausreicht oder ein Hochleistungsmodell benötigt wird, zeigt eine Formel: Höhe (zum Beispiel ein Meter) mal Masse (etwa ein fünf Kilogramm schwerer Gegenstand) mal Erdbeschleunigung (9,81 Meter pro Sekunde). Liegt das Ergebnis über den Anforderungen aus der Stoßdämpfungsprüfung (49 Joule), so sollte ein Helm mit erhöhten Stoßdämpfungseigenschaften ausgewählt werden. Daneben muss der Schutzhelm zu den Bedingungen am Arbeitsplatz passen, einschließlich der ergonomischen Anforderungen. Außerdem muss er der Benutzerin und dem Benutzer individuell passen.

Was ist wichtig, wenn der Helm mit anderer Ausrüstung kombiniert wird?

Auch in diesen Fällen kann die Gefährdungsbeurteilung weitere Faktoren vorgeben. Wenn ein Schutzhelm etwa in Verbindung mit weiterer persönlicher Schutzausrüstung (PSA) wie einem Gehörschutz getragen wird, ist darauf zu achten, dass in dieser Kombination beide PSA-Arten ihre Schutzfunktion behalten. Viele Helme werden auch durch Zubehör erweitert, wie Visiere, Nackenschutz oder Lampen. Welches Zubehör sich mit welchem Modell einsetzen lässt, darüber informieren die Kopfschutzhersteller zum Beispiel in der Anleitung. Möchten Betriebe anderes Zubehör verwenden, als dort aufgeführt ist, müssen sie dies mit der Herstellerfirma klären.

Klicktipp

Die DGUV Regel 112-193:  Kopfschutz mit Muster-Betriebsanweisung

Worauf können Sicherheitsbeauftragte bei der Nutzung von Kopfschutz achten?

Ein Kopfschutz kann nur schützen, wenn er passt. Dafür muss die Innenausstattung auch auf die Größe und Form des Kopfes eingestellt werden. Zur Überprüfung gilt die Regel: Der Kopfschutz verfügt über einen ausreichend festen Sitz, wenn er ohne Kinnriemen bei leichtem Kopfschütteln seine Position nicht verändert. Hat der Helm einen Kinnriemen, sollte der so eingestellt sein, dass er straff unter dem Kinn anliegt. Denn nur so bleibt er etwa im Falle eines Absturzes auf dem Kopf. Auf solche Punkte sollten Sicherheitsbeauftragte bei sich und ihren Kolleginnen und Kollegen achten.