Recht : Gesundes Büroklima: Darauf kommt es beim Lüften an
Mit dem Begriff „Klima“ kann in der Arbeitswelt zweierlei gemeint sein: die Grundstimmung im Betrieb, also eher eine emotionale Komponente, oder das Innenraumklima. Letzteres fokussiert die DGUV Information „Klima im Büro“, die alle relevanten Fragen kompakt beantwortet.
Dabei wird deutlich, dass nicht nur die Temperatur entscheidend ist. Ebenso hat die Luftqualität großen Einfluss darauf, ob Beschäftigte gesund und sicher arbeiten. Auch die besagten emotionalen Faktoren werden nicht ausgeklammert, denn die Psyche und das Innenraumklima sind eng miteinander verknüpft.
Dr. Simone Peters, Leiterin des Sachgebiets „Klima am Arbeitsplatz“ der DGUV, ordnet die Risiken und Schutzmaßnahmen für Beschäftigte ein.
Vorgaben und Regeln für das Büroklima
Grundsätzlich sind Arbeitgebende für sichere und gesunde Arbeitsbedingungen verantwortlich. Sie müssen mithilfe der Gefährdungsbeurteilung potenzielle Risiken ermitteln und Schutzmaßnahmen ableiten.
Um die Schutzziele beim Klima im Büro zu erreichen, sind die Arbeitsstättenverordnung und die dazugehörigen Technischen Regeln für Arbeitsstätten (ASR) zentral – etwa die ASR A3.5 „Raumtemperatur“ oder die ASR A3.6 „Lüftung“.
Richtig lüften im Büro
Allgemein: In den meisten Büros wird über die Fenster gelüftet. Vorgaben bzw. Empfehlungen liefert die Technische Regel ASR A3.6 „Lüftung“.
Warum muss regelmäßig gelüftet werden?
Aus Büroräumen müssen Stoff-, Wärme- und Feuchtelasten entfernt werden, die zum Beispiel durch menschliche Ausdünstungen, elektrische Geräte und Sonneneinstrahlung entstehen.
Wie sollte gelüftet werden?
Am effektivsten ist Stoßlüften bei geöffnetem Fenster, optimalerweise an zwei gegenüberliegenden Seiten. Je höher der Temperaturunterschied zwischen drinnen und draußen und je windiger es ist, desto schneller erfolgt der Luftaustausch.
Richtwerte zum Stoßlüften
Häufigkeit:
→ Büroraum nach 60 Minuten
→ Besprechungsraum nach 20 Minuten
Dauer:
→ Sommer: ca. 10 Minuten
→ Frühling / Herbst: ca. 5 Minuten
→ Winter: ca. 3 Minuten
Ein gutes Raumklima ist gesund
Die DGUV Information 215-520 widmet der Lufttemperatur, -feuchte und -geschwindigkeit sowie der Lüftung je ein Kapitel. Da das Lüften im Büro zu Diskussionen führen kann, sind Richtwerte hilfreich. Ein weiterer Aspekt ist die gesundheitsförderliche Wirkung von Pflanzen, denn viele Beschäftigtebempfinden ein begrüntes Büro als angenehm.
Jedoch müssen Pflanzen mit Bedacht gekauft werden, weil sie Allergierisiken bergen können. Die in der Information aufgelisteten Arten sollten nicht in Büros stehen. Auch wird Pflanzen nachgesagt, dass sie Schadstoffe abbauen und die Luftfeuchte erhöhen können. Diese Effekte sind bei beiden Themen allerdings recht gering.
Schlechtes Raumklima kann mental belastend sein
Gleich zwei Kapitel widmen sich Fragen zu psychischen und gesundheitlichen Beschwerden. Denn in unserer Beratung erleben wir, dass das Büroklima das Wohlbefinden stark beeinflusst. Bei guten Bedingungen arbeiten viele Beschäftigte konzentrierter und sind leistungsfähiger, dagegen kann stickige oder zu warme Luft ermüden.
Ein interessantes Phänomen in diesem Kontext: Ist die Luftqualität schlecht, empfinden viele Menschen den Raum als wärmer. Gleichzeitig wird die Luftqualität oft als schlechter empfunden, wenn man einen sehr warmen Raum betritt. Unabhängig davon, ob die ganze Belegschaft unter ungünstigen Bedingungen leidet oder nur einzelne Beschäftigte sich unwohl fühlen: Verantwortliche sollten jede Beschwerde zum Innenraumklima ernstnehmen. Denn dahinter können auch andere Probleme am Arbeitsplatz stecken, etwa mangelhafte Ergonomie, Allergien oder Unzufriedenheit nach einem Umzug in neue Räume.
Klicktipp:
Die DGUV Information 215-520 „Klima im Büro“ – Antworten auf die häufigsten Fragen zum Download.
Sie kann unterstützen, weil sie Begriffe erläutert und typische Problemlagen schildert, auf die sich Sicherheitsbeauftragte beziehen können, so Dr. Simone Peters.
So können Sibe unterstützen
Bei den psychischen Faktoren ebenso wie bei Verstößen gegen die Arbeitsstättenverordnung können Sicherheitsbeauftragte wichtige Ansprechpersonen sein und vermitteln. Ist es im Büro immer wieder zu kalt, zu heiß oder zu stickig, können sie den Kontakt zu den Vorgesetzten suchen. Auch bekommen sie oft eher als ihre Führungskräfte mit, ob etwa ein Kollege regelmäßig über schlechte Luft klagt – sich aber scheut, es selbst anzusprechen.