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Lüften hält gesund
Frischluftzufuhr ist immer wirkungsvoller als Luftreinigung. © Adobe Stock/ F8studio
Arbeitswelt

Lüften hält gesund

Regelmäßige Frischluft ist in geschlossenen Räumen nicht nur zum Schutz vor Ansteckungen wichtig. Doch vielen Menschen wird es schnell zu kalt.

Datum: 11.01.2021

Abstand halten, Hygiene beachten, Alltag mit Maske – wir haben die AHA-Formel zur Abwehr des Coronavirus verinnerlicht. Ergänzt wurde sie noch um den Buchstaben L – wie Lüften. Denn viele Fachleute sagen: Durch regelmäßige Frischluftzufuhr von außen lässt sich die Viruslast in geschlossenen Räumen deutlich verringern. Doch auch unabhängig von der Pandemie ist regelmäßiges Lüften gut für die Gesundheit.

Irrtümer über das Lüften sind weit verbreitet

Allerdings sorgt das Thema Lüften in der kalten Jahreszeit gerne für „dicke Luft“. Die Beschäftigten davon zu überzeugen, das Fenster aufzureißen, fällt nicht immer leicht, wenn draußen Minusgrade herrschen. Oft sehen sich die Frierenden mit dem Argument im Recht, sie würden sich erkälten, wenn das Fenster offen steht. Dabei stimmt das nur halb: Wenn wir frieren, ziehen sich die Blutgefäße der Haut zusammen. Die Schleimhäute in der Nase beispielsweise werden schlechter durchblutet und produzieren in der Folge weniger Schleim, der aber als Schutzschild vor Krankheitserregern dient. Diese können dann leichter in den Körper eindringen. Das spricht aber nicht gegen Lüften, sondern eher für angemessene Kleidung.

Auch die Untersuchungslage zur Coronavirus-Pandemie lehrt uns nicht zuletzt: Krank werden wir eher, wenn wir zu wenig lüften. Das lässt sich ebenfalls einfach erklären. Beim Sprechen und Ausatmen entstehen Tröpfchen und feinste luftgetragene Flüssigkeits­partikel, die Aerosole. Ist jemand an einem Virus wie dem SARS-CoV-2 oder der Influenza erkrankt, gelangt dieser ganz unbemerkt in die Innenraumluft. „Gerade die Aerosole können sich großflächig in der Luft verteilen und die Wahrscheinlichkeit einer Übertragung steigt auch über größere Entfernung“, erklärt Dr. Simone Peters, Leiterin das Referats Schutzmaßnahmen beim Institut für Arbeitsschutz der DGUV (IFA). Denn bei geschlossenen Fenstern findet in Innenräumen nur sehr wenig Luftaustausch statt. In Räumen mit Isolierfenstern etwa wird nur ein Fünftel des Raumluftvolumens pro Stunde erneuert.

Fünf Irrtümer über Kälte

Es ranken sich so

Lüften steigert die Luftqualität

Doch nicht nur der Mensch gibt ständig Stoffe in die Raumluft ab – das können unter Umständen auch Gegenstände. Dr. Kirsten Sucker vom Institut für Prävention und Arbeitsmedizin der DGUV, die 2019 an einer Studie zur Wirkung von Gerüchen an Innenraumarbeitsplätzen mitgewirkt hat, sagt: Lüften ist in vielerlei Hinsicht wichtig für die Beschäftigten. „Dabei geht es nicht bloß um eine bessere Sauerstoffversorgung, sondern auch darum, die Innenraumluft regelmäßig zu erneuern.“ Manchmal können Bodenbeläge, Möbel und technische Geräte Stoffe abgeben, die die Luftqualität verschlechtern und in zu hoher Konzentration auf Dauer der Gesundheit schaden, so Sucker.

Bei Lüftungsanlagen ist Vorsicht geboten

Damit alle Beschäftigten bestmögliche Chancen haben, gesund zu bleiben, ist regelmäßiges Lüften also unerlässlich. Simone Peters empfiehlt die Stoßlüftung über weit geöffnete Fenster und Türen für jeweils drei bis zehn Minuten je nach Jahreszeit, Temperatur und Raumgröße. Womöglich lässt sich im Gespräch mit den Kolleginnen und Kollegen eine Zeitspanne aushandeln, die alle gut aushalten können – notfalls mit kurz übergezogener Winterjacke.

Auch technische Methoden kommen grundsätzlich zum Lüften infrage, so Peters. Sie weist aber darauf hin, dass hierbei einiges zu beachten ist: „Bei einer Lüftungsanlage gilt: Ausreichend Luftzufuhr von außen sicherstellen, Umluftbetrieb vermeiden und die Anlage regelmäßig warten lassen.“ Wenn es um das Coronavirus geht, kommen auch immer wieder Luftreiniger ins Gespräch, die Virenpartikel aus der Raumluft filtern können. Peters rät zur Vorsicht: Luftreiniger seien in der Regel Umluftgeräte.

Es werde also eben gerade keine frische Luft in den Raum gelassen, sondern nur die vorhandene Luft mehr oder weniger gereinigt und neu im Raum verteilt. Wie gut das funktioniert, hänge von der Qualität des Geräts ab. Es sollten Luftreiniger mit HEPA-Filter der Klasse H13 oder H14 verwendet werden. Aber: „Direkte Frischluftzufuhr ist immer wirkungsvoller als Luftreinigung“, so die Expertin. Luftreiniger würden sich darum nur als Ergänzung eignen.

Als Faustregel gilt:

In Büroräumen sollte mindestens einmal stündlich stoßgelüftet werden, in Besprechungs- und Seminarräumen, in denen sich mehrere Menschen gemeinsam aufhalten, mindestens alle 20 Minuten.

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Bewertung der Raumluftgüte nach CO2-Konzentration. © Grafik: Raufeld Medien

CO₂-Ampel erinnert ans Lüften

Nicht zuletzt hilft Lüften, sich besser zu konzentrieren. Je länger wir uns in einem geschlossenen Raum aufhalten, desto höher wird in der Luft der Anteil an organischen Stoffen, die wir ausdünsten und ausatmen – etwa Aceton, Alkohole oder Geruchsstoffe. Da die gesamte Stoffpalette analytisch nur schwer erfasst werden kann, wird als Indikator für die Raumluftqualität das einfach zu bestimmende Kohlendioxid (CO₂) gemessen.

Wir spüren deutlich, wenn die Raumluft schlechter wird. Sie riecht stickig, wir werden müde, reagieren langsamer, sind weniger aufmerksam. Um rechtzeitig gegensteuern zu können, helfen etwa sogenannte CO₂-Ampeln – Geräte, die messen, wie hoch die CO₂-Konzentration im Raum ist, und zum Lüften mahnen, wenn ein kritischer Wert überschritten wird. Eine Alternative ist die CO₂-App von IFA und Unfallkasse Hessen (UKH), die die CO₂-Konzentration im Raum berechnet. Sollte der Kompromiss beim Lüften im Kollegium also allzu schwerfallen, lässt sich die Entscheidung, wann es Zeit für Frischluft ist, auch einfach per App regeln.

Per App die CO₂-Konzentration messen

Mit dem CO₂-Timer von IFA und UKH lässt sich berechnen, wie oft in Räumen gelüftet werden muss.

Geschrieben von: Julia Frese