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Können Erwachsene Resilienz erlernen?
Eine Runde um den Park joggen oder beim Yoga runterfahren: Für viele ist Sport eine gute Methode, um Stress abzubauen. © iStock/svetikd
Gesundheit

Können Erwachsene Resilienz erlernen?

Ist Resilienz erlernbar? Ja, aber mit Einschränkungen, meint Entwicklungspsychologe Prof. Dr. Bernhard Leipold.

Datum: 03.06.2021
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Prof. Dr. Bernhard Leipold von der Universität der Bundeswehr München. © Raufeld Medien

Was befähigt Menschen dazu, Stress gut zu bewältigen?

Der Umgang mit Stress wird in der Psychologie als Coping bezeichnet. Gemeint sind damit Bewältigungsstrategien oder Ressourcen, die Menschen einsetzen, um den Stress zu beseitigen, wie vermehrte Anstrengung, die Suche nach sozialer und emotionaler Unterstützung.

Es handelt sich um Formen der Anpassung. Coping bezeichnet einen Prozess, was nicht ausschließt, dass sich Menschen darin sehr unterscheiden können, zu welchen konkreten Strategien sie stärker neigen.

Was hat Resilienz mit Stressbewältigung zu tun?

Resilienz wird darüber definiert, dass eine Krise vorgelegen hat und es den Betroffenen gelungen ist, sich dennoch positiv zu entwickeln. Dies setzt voraus, dass die jeweiligen Bewältigungsstrategien erfolgreich waren.

Stress-Management-Programme und autogenes Training sind Beispiele für bewährte Bewältigungsstrategien. Das heißt aber nicht, dass sie den Königsweg für alle Problemlagen darstellen.

Können Schulungen ihr Versprechen einhalten und Resilienz „beibringen“?

Ich würde sagen, dass sich Resilienz im Lauf des Lebens entwickelt. Einfach „beibringen“ funktioniert nicht, weil Resilienz keine konkrete Kompetenz ist, die sich wie Fahrradfahren schnell trainieren lässt oder nach der Kindheit wieder verblasst.

Es gibt einen Forschungszweig der Entwicklungspsychologie, der seit mehreren Jahrzehnten untersucht, wie sich Kinder, die in sehr kritischen Lebensverhältnissen aufwachsen, trotzdem positiv entwickeln können.

Das Konzept der Resilienz wurde aber auch auf das Erwachsenenalter übertragen. Forschungsbefunde demonstrieren, dass Lebenskrisen auch im mittleren und höheren Erwachsenenalter überwunden werden können.

Die Chancen, dass Erwachsene noch lernen, mit Stress und Krisen umzugehen, stehen also nicht schlecht?

Die meisten Erwachsenen verfügen glücklicherweise über Strategien, die sie schon gelernt und erfolgreich angewendet haben. Sie können viele Techniken trainieren, verfeinern und tun dies auch.

Es gibt einen großen Markt an Ratgeberliteratur und Seminaren, was den Bedarf deutlich macht. Lernen im Erwachsenenalter ist möglich.

Ich sehe hier aber kein einfaches Patentrezept, weil die Krisen sehr unterschiedlicher Art sein können und es oft nicht nur einen Lösungsweg gibt. Ein Verkehrsunfall erfordert andere Handlungsschritte als ein Konflikt am Arbeitsplatz.

Das hilft bei akutem Stress

  • Atmen nicht vergessen: Bei Stress atmen wir oft flach oder halten gar die Luft an. Beruhigend ist es, wenn Sie Ihren Atem bewusst verlangsamen. Dafür atmen Sie durch die Nase ein und langsam durch den Mund aus. Lassen Sie sich für das Ausatmen etwas länger Zeit als für das Einatmen.
  • Ablenkungen beseitigen: Handy aus, Bürotür zu, E-Mail-Postfach schließen: Wenn es Ihnen möglich ist, beseitigen Sie alles, was ablenkt. Selbst leise, langsame Musik stört konzentriertes Arbeiten und sollte ausgeschaltet werden. Für absolute Stille sind Noise-Cancelling-Kopfhörer zu empfehlen.
  • Selbstgespräche führen: „Ich weiß, was zu tun ist!“ Klingt erst mal komisch, doch das Verbalisieren von Arbeitsabläufen und Aufgaben baut Stress ab und trägt dazu bei, dass wir Probleme schneller lösen. Wichtig: Sprechen Sie langsam und formulieren Sie möglichst konkret.

Geschrieben von: Isabelle Rondinone

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