Link to header
Angst vorm Autofahren überwinden
Angst vorm Autofahren? Dann kann der Arbeitsweg von der Routine zur Belastung werden. © Getty Images/South_agency

Verkehrssicherheit : Angst vorm Autofahren überwinden

Verkehrsunfälle können bei Betroffenen Fahrängste auslösen. Ein Konzept zum innerbetrieblichen Umgang mit Unfällen im Arbeitskontext sorgt etwa psychischer Folgebelastung vor.

Ein Verkehrsunfall kann ein traumatisches Erlebnis sein. Das heißt, er kann nicht nur schwere körperliche, sondern auch langfristige psychische Folgen haben. Das äußert sich zum Beispiel in Vermeidungsverhalten: Auf zuvor alltäglich gefahrenen Arbeitswegen setzt beim Nähern der Unfallstelle etwa Herzrasen ein, Schweiß bricht aus und am Lenkrad verkrampfen die Hände. Der Körper signalisiert: Gefahr, fahr hier nicht lang!

Gefahr für sich und andere

Daneben können allgemeine Fahrängste entstehen, die Betroffene daran hindern, sich überhaupt wieder hinter ein Steuer zu setzen. Möglich ist auch, dass Personen aufgrund einer posttraumatischen Belastungsstörung zur Gefahr für sich und andere werden. „Etwa wenn Personen durch sogenannte Flashbacks plötzlich nicht mehr ausreichend handlungs- oder reaktionsfähig sind“, erklärt Anne Gebhardt, Psychologin im Referat „Arbeitswelten, Mobilität und Gesundheit“ der DGUV Akademie. „Das kann durch Situationen oder Geräusche ausgelöst werden – etwa durch den Klang eines Martinshorns, der an den Unfall erinnert und dazu führt, dass die Situation erneut durchlebt wird.“

Als mentalen Schutzmechanismus aktiviert das Gehirn dann körperliche Reaktionen, die Betroffene kaum unter Kontrolle haben. Um psychische Folgen auszulösen, muss ein Unfall aber nicht unmittelbar erlebt worden sein. Auch mittelbar Betroffene wie Ersthelfende am Unfallort, betriebliche Erstbetreuende, Zeuginnen und Zeugen oder Angehörige können Fahrängste entwickeln.

Thema Psyche – Tipps für Sibe

Über Faktoren und Anzeichen psychischer Belastung Bescheid wissen:

Für Notfälle vorsorgen

In Branchen, in denen Beschäftigte viel selbst fahren, wie in der Logistik oder der ambulanten Pflege, ist es daher wichtig, nicht nur das reine Unfallrisiko in der Gefährdungsbeurteilung zu berücksichtigen, sondern auch den psychischen Umgang mit solchen Ereignissen. Den Arbeitsalltag der Belegschaft zu beachten, lohnt aber in allen Branchen: Liegt der Arbeitsplatz vielleicht weit außerorts und ein Großteil der Beschäftigten nutzt für den Arbeitsweg das Auto? Denn wenn Mitarbeitende von Fahrängsten betroffen sind, die aus einem Arbeits- oder Wegeunfall resultieren, können und sollten Arbeitgebende unterstützen. Dazu gehört die Vorsorge mit einem betrieblichen Notfallplan. Er legt Meldeketten, Verantwortlichkeiten und ein Betreuungskonzept fest, damit die richtigen Schritte nach Vorfällen klar sind und Betroffene jederzeit wissen, an wen sie sich mit psychischen Problemen und Ängsten wenden können – und sollen.

Fahrtrainings für sichere Wege

Fahrsicherheitstrainings helfen, Risiken im Verkehr besser einzuschätzen und souverän ...

Bei akuter Problemlage können Arbeitgebende außerdem die Berufsgenossenschaften und Unfallkassen ansprechen, die eine geeignete Behandlung und Rehabilitation sicherstellen. Die Grundlage bildet hier das Psychotherapeutenverfahren. „Dafür müssen nicht erst schwerwiegende Symptome auftreten. Es reicht der Verdacht auf Unfallfolgebeschwerden oder unspezifische Auffälligkeiten“, so Gebhardt. Wichtig: Das zugrundeliegende Ereignis muss beim zuständigen Unfallversicherungsträger gemeldet sein. Einige der Träger bieten spezifische Anlaufstellen für betroffene Versicherte und Führungsverantwortliche. Die Trauma-Lotsinnen und -Lotsen der BG Verkehr und das Krisentelefon der BGW beraten beispielsweise zu geeigneten Maßnahmen und vermitteln an Therapeutinnen oder Therapeuten, mit deren Hilfe eine passende Behandlung erarbeitet wird.

Hilfefinder

Der Hilfefinder bietet Infos und Unterstützung für Einzelpersonen und Unternehmen.

Reha für die Psyche

„Einen pauschalen Umgang mit Fahrängsten gibt es nicht“, ­betont Gebhardt. Einigen Betroffenen reicht es, das Erlebte in bis zu fünf probatorischen Sitzungen zu bearbeiten, andere benötigen umfangreiche verhaltenstherapeutische Hilfe.

In vielen Fällen helfen therapeutisch begleitete Fahrstunden. Hier lernen Betroffene schrittweise und systematisch, die Angst zu mindern und Umgangsstrategien zu erwerben. „Sicherheitsbeauftragte können hier unterstützen“, zeigt Gebhardt auf, „etwa indem sie sich über spezialisierte Fahrschulen informieren. Wenn sie außerdem zu psychischen Auffälligkeiten und dem Umgang damit Bescheid wissen und betroffene Mitarbeitende das merken, dann sind Sibe für ­sie vertrauenswürdige Ansprechpersonen.“