Link to header
Umgang mit Ängsten
Nachrichten über Umweltkatastrophen, Krieg und Pandemien können Beschäftigte schwer erschüttern. Hilfe finden sie unter anderem im Unternehmen, bei Wohlfahrtsverbänden und Unfallversicherungsträgern. © Fotolia/Gina Sanders
Gesundheit

Umgang mit Ängsten

Nachrichten über Krieg und andere Krisen beunruhigen. Wie gelingt der Umgang mit Ängsten am Arbeitsplatz? Psychologin Dr. Marlen Cosmar gibt Tipps.

Datum: 18.03.2022

Bei Naturkatastrophen, Pandemien und Kriegen verbreiten Medien unentwegt Neuigkeiten, Analysen, Bilder und Hilfeaufrufe. Das hinterlässt Spuren bei den Betrachtenden. Viele Menschen nehmen Verunsicherung, Ängste oder Wut an ihren Arbeitsplatz mit. Solch starke Emotionen können Folgen haben und etwa das Unfallrisiko beim Bedienen von Maschinen oder bei der Fahrt zum Betrieb steigern.

Akteurinnen und Akteure im Arbeitsschutz sollten die emotionale Wucht solcher Ereignisse daher ernst nehmen. Dr. Marlen Cosmar ist Psychologin am Institut für Arbeit und Gesundheit der Deutschen Gesetzlichen Unfallversicherung in Dresden (IAG) mit Schwerpunkt u. a. im Bereich Prävention und Umgang mit psychischen Erkrankungen bei der Arbeit.

Inwiefern können negative Großereignisse wie Umweltkatastrophen, Pandemien oder ein Krieg, die bei Beschäftigten Ängste auslösen, sie bei ihrer Arbeit beeinträchtigen?

Wenn solche Ereignisse passieren und Beschäftigte sie sehr eng verfolgen, kann die Konzentration betroffen sein. In der Regel wird das in stärkerem Umfang aber nur bei jenen Beschäftigten der Fall sein, die persönlich involviert sind. Hier können sich auf dem Weg zur Arbeit oder gerade auch in sicherheitskritischen Bereichen im Einzelfall schon gefährliche Situationen ergeben. Bei Beschäftigten, die nicht selbst betroffen sind, dürfte das in der Regel kein Problem sein.

An welchen Signalen können Sicherheitsbeauftragte bei solchen Szenarien eine akute psychische Beeinträchtigung einzelner Beschäftigter erkennen?

Eine akute psychische Beeinträchtigung lässt sich daran erkennen, dass Beschäftigte sich anders verhalten als sonst. Es kann sein, dass sie auf einmal unkonzentriert sind, Fehler machen, zu spät kommen oder auch aggressiv reagieren. Auch starke Niedergeschlagenheit kann ein Hinweis sein.

Wie sollten Sicherheitsbeauftragte dann handeln? Sollten Sie Ratschläge geben, etwa was sie gegen das Gefühl der Hilflosigkeit tun können und wenn ja, welche könnten das sein?

Sicherheitsbeauftragte können auf Betroffene zugehen und diese Veränderung ansprechen. Mit einem Satz wie – Du, mir ist aufgefallen, dass Du irgendwie nicht bei der Sache bist – können sie eine Tür öffnen. Bestätigt sich dann, dass Beschäftigte Probleme haben, sollten Sicherheitsbeauftragte an Fachleute im Umgang mit Krisen verweisen.

Resilienz: Widerstandsfähigkeit gezielt stärken

Pflanzen, die im Wind

Wo Beschäftigte Unterstützung finden

Auf welche betrieblichen Angebote können Sicherheitsbeauftragte die Beschäftigten hinweisen?

Betriebliche Angebote unterscheiden sich je nach Unternehmen sehr stark. Große Unternehmen verfügen häufig über eine eigene Sozialberatung und einen internen betriebsärztlichen Dienst. Diese können Ansprechpersonen sein. Andere Firmen haben externe Beratungsunternehmen gebunden, die sogenannte Employee Assistance Programme, also Mitarbeiterunterstützungsprogramme, anbieten.

Hier sind Fachleute zumindest schnell telefonisch und in der Regel auch persönlich erreichbar. Mitunter haben Unternehmen auch psychologische Ersthelfer ausgebildet. Das sind Beschäftigte, die dafür geschult sind, bei akuten psychischen Krisen zu unterstützen, beispielsweise nach Unfällen. Kleine Unternehmen verfügen hier in der Regel nicht über Angebote.

Worauf können Sicherheitsbeauftragte verweisen, wenn betriebliche Angebote nicht ausreichen oder wenn es keine gibt?

Dann kann an städtische Anbieter oder auch Angebote der Wohlfahrtsverbände wie dem DRK oder der Caritas verwiesen werden. In der Regel finden sich Informationen über solche Anbieter bei der jeweiligen Gemeinde, dem Landeskreis oder auch dem Bundesland. Einzelne Krankenkassen bieten inzwischen auch Online-Programme an, mit denen Betroffene lernen können, wie sie Stress, Anspannung und Sorgen entschärfen können.

Auch die Unfallversicherungsträger bieten zum Teil Krisenberatung an. Die BGW hat beispielsweise für Ihre Versicherten zum Thema Corona und auch zur Flutkatastrophe von 2021 eine Krisenhotline eingerichtet.

Auch Sicherheitsbeauftragte müssen für sich persönlich einen guten Umgang mit solchen Ereignissen finden. Wie können sie hier vorgehen?

Grundsätzlich ist zu empfehlen, sich nicht übermäßig stark mit dem Ereignis zu beschäftigen, soweit man nicht persönlich betroffen ist oder tatsächlich substanziell dabei helfen kann, die Folgen zu mildern und Betroffenen zu helfen. Besser ist es zu überlegen, wie man vielleicht über eine Hilfsorganisation unterstützen kann. Ansonsten sollte der Konsum von Nachrichten zum Thema begrenzt werden, zum Beispiel auf die Abendnachrichten.

Geschrieben von: DGUV