Arbeitsstättenverordnung
Klarere Regeln für die Arbeitswelt © Daniel Ingold / GettyImages

Klarere Regeln für die Arbeitswelt

Seit Ende des Jahres 2016 ist die neue Arbeitsstättenverordnung in Kraft. Sie berücksichtigt Aspekte der sich ändernden Arbeitswelt und bietet Sicherheitsbeauftragten viele neue Ansatzpunkte.

Ob Beurteilungen von Arbeitsbelastungen im Homeoffice, Maßnahmen zum Nichtraucherschutz, Bestimmungen zu Fenstern als sogenannten Sichtverbindungen nach außen oder die Berücksichtigung psychischer Belastungen an Arbeitsstätten: Die novellierte Arbeitsstättenverordnung (Arb-StättV), die das Bundeskabinett am 3. Dezember 2016 beschlossen hat, formuliert nun auch für solche Fälle klare Regeln. Zudem werden Fachbegriffe verständlicher als bisher dargestellt und Forderungen konkretisiert, um die Umsetzung in der Praxis zu erleichtern. Bildschirmarbeit. Vorschriften zum Arbeitsschutz gibt es nun auch für Telearbeitsplätze, also Bildschirmarbeitsplätze im Homeoffice. Unternehmen haben dort die gleiche Fürsorgepflicht wie für Beschäftigte, die ihren Arbeitsplatz im Betriebsgebäude haben. Zum einen müssen die Bedingungen der Telearbeit nachzulesen sein, zum anderen müssen Unternehmen die benötigte Ausstattung bereitstellen und einrichten. Eine regelmäßige Prüfung der Bedingungen im Homeoffice ist zwar nicht vorgesehen, wohl aber eine Gefährdungsbeurteilung bei der Einrichtung eines Telearbeitsplatzes. Denn auch Arbeitsplätze im Privaten müssen sichere und gesunde Arbeit ermöglichen – bei einem Schreibtisch in einer fensterlosen Abstellkammer sollten Sicherheitsbeauftragte beispielsweise tätig werden, wenn sie den Homeoffice-Arbeitsplatz besuchen. Von der Verordnung ausgenommen ist übrigens das beruflich bedingte mobile Arbeiten, wie zum Beispiel unterwegs im Zug.

Psychische Belastungen

Unternehmen müssen in Gefährdungsbeurteilungen neben den körperlichen auch die psychischen Belastungen berücksichtigen. Dies schreibt das Arbeitsschutzgesetz bereits vor, es wurde mit der Neuerung der ArbStättV aber zusätzlich für Arbeitsstätten konkretisiert. In den Fokus rücken so beispielsweise Belastungen und Beeinträchtigungen durch störende Geräusche oder Lärm, ungeeignete Beleuchtung oder ergonomische Mängel am Arbeitsplatz. Denn diese können maßgeblich zu psychischen Erkrankungen beitragen. Sicherheitsbeauftragte sind mit den örtlichen Gegebenheiten der Arbeitsstätten gut vertraut und daher besonders geeignet, entsprechende Belastungen in ihrem Umfeld zu erkennen und Beschäftigte wie Unternehmen darauf aufmerksam zu machen.

Nichtraucherschutz

Bislang gab es in öffentlichen Räumen keinen einheitlich geregelten Nichtraucherschutz. Jetzt müssen Arbeitgeberinnen und Arbeitgeber geeignete Vorkehrungen für den Nichtraucherschutz treffen. Dies gilt auch für das Bedienpersonal in Gaststätten. Sicherheitsbeauftragte können Unternehmen bei der Suche nach einer technischen oder organisatorischen Lösung unterstützen, beispielsweise in Form einer optimierten Lüftung. Konkrete Schutzmaßnahmen legt die neue ArbStättV hier zwar nicht fest, sie verpflichtet die Unternehmen jedoch grundsätzlich und ausdrücklich zu wirksamen Maßnahmen.

Tageslicht

Wer bei natürlichem Tageslicht und mit Blick nach außen arbeiten kann, der ist meist motivierter, zufriedener und leistungsfähiger. Daher schreibt die novellierte ArbStättV grundsätzlich für Arbeitsräume, Pausen- und Bereitschaftsräume sowie Unterkünfte Sichtverbindungen nach außen, zum Beispiel Fenster, vor. Ist das wegen baulicher oder betrieblicher Gegebenheiten nicht möglich, wie in Flughäfen, Einkaufszentren oder speziellen ärztlichen Behandlungsräumen, müssen Unternehmen allerdings nicht zwingend für Tageslicht sorgen. Eine Übergangsregelung gilt zudem für Räume, die nicht unter die Ausnahmeregelung fallen: Sie haben Bestandsschutz, bis Gebäude wesentlich erweitert oder umgebaut werden.

Tipp: Neuregelung nutzen!

Die neue Arbeitsstättenverordnung eröffnet Sicherheitsbeauftragten zahlreiche Möglichkeiten, sich künftig noch stärker für die Sicherheit und Gesundheit von Belegschaften einzusetzen. Denn eine Reihe wichtiger Punkte ist nun erstmals eindeutig geregelt. Nutzen Sie diese Chance!

Informationen zur Arbeitsstättenverordnung finden Sie auf der Website der DGUV: www.dguv.de